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A Brand New Species (2012)

WORKS

Es gibt kaum noch unbe­schrie­bene Orte auf der Erde, unsere Welt ist karto­gra­phiert, vermessen und klas­si­fi­ziert. Dennoch gibt es unzäh­lige blinde Flecken auf unseren Karten. Verlas­sene Orte, zwischen Abriss und Neuan­fang. Verges­sene Orte, die Poten­tiale, Nischen und Biotope bergen. Welche Wesen könnten sich in diesen Laboren entwi­ckeln? Welche neuen Spezies könnten hier entstehen? Welche Muta­tionen sind denkbar, im Schatten des lang­samen Verblas­sens eins­tiger Funk­tionen? Seien es tieri­sche Krea­turen, ausge­stopfte Sirenen, gezähmte Viecher, Chimären, hunde­ähn­liche Geschöpfe oder sich wie Tolle gebä­rende, schieß­wü­tige, in einem bestimmten Rhythmus tanzende Krea­turen, die auf der Straße leben und die von nahem wie Affen aussehen. ‘A Brand New Species’ beschwört und befragt diese Wesen glei­cher­maßen. Was verraten sie uns über den Ort, der sie hat entstehen lassen? Und was verraten sie über uns, die wir sie haben entstehen lassen? Welchen ‘Brand New Species’ werden wir in den Turley Baracks begegnen?



Konzept und Choreo­gra­phie:
Rose Beer­mann
Von und mit: Abdullah Erdogan, Raim­unda Guda­viciute, Anja Sauer und Iva Sveshta­rova
Drama­turgie: Susanne Zaun
Sound­de­sign: Matthias Meppelink
Licht­de­sign: Camilla Vetters und Stine Hertel

Produ­ziert und urauf­ge­führt im Rahmen des schwin­del­frei-Festi­vals auf den Turley Barracks in Mann­heim, geför­dert vom Institut für Ange­wandte Thea­ter­wis­sen­schaft, dem Landes­ver­band Freier Theater BW e.V. und der Crespo Foun­da­tion.



Pres­se­stimmen:

Wie wär’s denn mit ein biss­chen Bewe­gung im Raum?’ Niemand rührt sich. […] Die Frau­en­stimme redet weiter, von irgendwo, auf Englisch: ‘Ich sehe euch. Schaut euch gegen­seitig an!’ Eine Zuschauerin zieht beherzt an einem hängenden Seil; ein ‘Danke’ ertönt. Komisch, pein­lich und unheim­lich zugleich. Das Spiel um ein Beob­achten und Beob­ach­tet­werden thema­ti­siert Rose Beer­mann in ihrer Perfor­mance ‘A Brand New Species’. Im Frank­furt LAB zeigte sie fast fünfzig Inter­es­senten in einer offenen Probe das Zwischen­er­gebnis von vier Wochen Arbeit mit Darstel­lern, Objekten, Drama­turgin, Sound- und Licht­de­si­gnern. […] Nach dieser Einfüh­rung ruft die gesichts­lose Ansa­gerin die ‘Objekte Nummer eins, zwei, drei’. Drei Menschen in schwarzen engen Ganz­kör­pe­ran­zügen tappen durch eine trost­lose Land­schaft voller Plas­tik­fo­li­en­hügel. Die gesichts­losen Wesen machen sich mit ihrer Umge­bung gemein, wickeln sich in die Folien und behängen sich mit herum­lie­genden farbigen Kordeln, geben das aufrechte Zwei­bei­nertum auf, purzeln, kullern, knicken in der Mitte ein, einer rüsselt mit einen kleinen Schlauch in der wedelnden Hand umher. […] Diese Spiel­wiese verklei­deter Leute hat offenbar nichts Spek­ta­ku­läres im Sinn. […] ‘Wie sich ein Körper bewegt und warum über­haupt’, inter­es­siert sie (Rose Beer­mann) und nennt ihre Darsteller ‘Mover’. Beer­mann zielt auf kleine Abwei­chungen vom Übli­chen in der Bewe­gung, die Blick und Verstand beim Zuschauer anregen sollen. Gieren wir als Entde­cker und Erfor­scher nicht gera­dezu danach?

Frank­furter Allge­meine Zeitung, 11.09.2012

In ‘A Brand New Species’ entdeckte die Choreo­grafin Rose Beer­mann die verlas­sene Snack Bar und den angren­zenden ehema­ligen Laden­kiosk. Inter­ak­tion mit dem Publikum, Einbe­zie­hung des Raumes und Erkun­dung neuer Bewe­gungs­spra­chen: Diese aktu­ellen choreo­gra­fi­schen Heraus­for­de­rungen wurden von der jungen Heidel­ber­gerin in ihrem Stück mit Fantasie und Witz abge­ar­beitet. Vier merk­wür­dige Wesen in schwarzen Trikots werden dabei zu immer menschen­ähn­li­cheren Subjekten.

Rhein-Neckar-Zeitung, 17.09.2012

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Fotos: Matthias Meppelink / Gerold Meppelink