Research: Verletzlichkeit (2026)

WORKS

Der Begriff der Verletz­lich­keit oder Verwund­bar­keit war für mich lange Zeit rein posi­tiv konno­tiert, er stand für Offen­heit, Durch­läs­sig­keit und die Fähig­keit, sich von ande­ren berüh­ren zu lassen. Seit in meinem Alltag zuneh­mend Bilder verletz­ter oder getö­te­ter Körper auftau­chen, befrage ich dieses Verständ­nis von Vulnera­bi­li­tät: Wer kann es sich leis­ten, vulnera­bel zu sein? Und was unter­schei­det einen offe­nen, durch­läs­si­gen von einem verwun­de­ten Körper? Im aktu­el­len Klima der Mili­ta­ri­sie­rung, in dem vermeint­lich starke, wehr­hafte Körper kulti­viert werden, erscheint es mir umso wich­ti­ger, auf Verletz­lich­keit als einer posi­ti­ven Eigen­schaft zu behar­ren. Wie passt das jedoch mit diesen Bildern zusam­men, die medial auf mich einprasseln? 

Ich möchte auf der Bühne den Kipp­punkt erfor­schen, an dem das Bild eines verletz­li­chen Körpers in das eines verletz­ten Körpers kippt – und umge­kehrt. Entste­hen sollte ein Spiel mit Asso­zia­tio­nen, ein Umkrei­sen dieses Kipp­punkts, bei dem schein­bar bezie­hungs­lose oder sogar wider­sprüch­li­che Bilder aufblit­zen. Hier setzt meine Arbeit an: Ich möchte unsere Sehge­wohn­hei­ten offen­le­gen und deren Selbst­ver­ständ­lich­keit behut­sam irri­tie­ren. Darüber hinaus möchte ich erfor­schen, wie wir uns zur Verletz­lich­keit ande­rer und zu eige­nen Erfah­run­gen von Verletz­lich­keit in Bezie­hung setzen können.

Im Rahmen des MOVE! – Festi­val für Tanz & Stadt­pra­xis konnte ich vom 19. bis zum 24. Okto­ber 2026 eine erste Recher­che­phase und eine öffent­li­che Präsen­ta­tion im Alten Stadt­bad in Krefeld realisieren.

Video­s­tills: Maurice Hainke