Der Begriff der Verletzlichkeit oder Verwundbarkeit war für mich lange Zeit rein positiv konnotiert, er stand für Offenheit, Durchlässigkeit und die Fähigkeit, sich von anderen berühren zu lassen. Seit in meinem Alltag zunehmend Bilder verletzter oder getöteter Körper auftauchen, befrage ich dieses Verständnis von Vulnerabilität: Wer kann es sich leisten, vulnerabel zu sein? Und was unterscheidet einen offenen, durchlässigen von einem verwundeten Körper? Im aktuellen Klima der Militarisierung, in dem vermeintlich starke, wehrhafte Körper kultiviert werden, erscheint es mir umso wichtiger, auf Verletzlichkeit als einer positiven Eigenschaft zu beharren. Wie passt das jedoch mit diesen Bildern zusammen, die medial auf mich einprasseln?
Ich möchte auf der Bühne den Kipppunkt erforschen, an dem das Bild eines verletzlichen Körpers in das eines verletzten Körpers kippt – und umgekehrt. Entstehen sollte ein Spiel mit Assoziationen, ein Umkreisen dieses Kipppunkts, bei dem scheinbar beziehungslose oder sogar widersprüchliche Bilder aufblitzen. Hier setzt meine Arbeit an: Ich möchte unsere Sehgewohnheiten offenlegen und deren Selbstverständlichkeit behutsam irritieren. Darüber hinaus möchte ich erforschen, wie wir uns zur Verletzlichkeit anderer und zu eigenen Erfahrungen von Verletzlichkeit in Beziehung setzen können.
Im Rahmen des MOVE! – Festival für Tanz & Stadtpraxis konnte ich vom 19. bis zum 24. Oktober 2026 eine erste Recherchephase und eine öffentliche Präsentation im Alten Stadtbad in Krefeld realisieren.


Videostills: Maurice Hainke